Autoren der Lesebühne Schiefertafel lasen aus „Zeit zu reden“

 

Am Donnerstag, den 25.01.2018 kamen die Autoren Hubertus Becker und Josef Peil zu einer Lesung aus der Anthologie „Zeit zu reden“ (Rhein-Mosel-Verlag) in das gut besuchte evangelische Gemeindezentrum in Büchenbeuren.

Die Presbyterin Frau Dr. Alpers, begrüßte die Autoren auf das Herzlichste und nach einer kurzen Information von Helga Andrae zu der Lesebühne Schiefertafel und zu dem Entstehen und Anliegen des Buches „Zeit zu reden“ boten sowohl J. Peil als auch H. Becker einen wahren Hörgenuss, der nicht nur im reinen Vorlesen der Texte bestand, sondern auch in verständlichen Zusammenfassungen der Schicksale der von ihnen in der Anthologie aufgenommenen alten Menschen.

So hat J. Peil das bewegende Leben des 1930 in Irmenach geborenen Alfred Marx, das in „Zeit zu reden“ im Hunsrücker Platt dokumentiert ist, wiedergegeben (wegen der Verständigung zum Teil in „Normal-Deutsch“), und vor allem die Kindheitserinnerungen und schrecklichen Kriegserinnerungen des jungen A. Marx im Hunsrück, die noch jetzt im hohen Alter einen beträchtlichen Raum seines Denkens einnehmen. Dass trotzdem die Hunsrücker ihren Humor nicht verloren haben, wurde offenbar in dem Gedicht von A. Marx - Ein Köfferchen voll: „Weißt-du-noch“ - , das J. Peil in Hunsrücker Mundart las, und das die Anwesenden so einige Male zum Schmunzeln brachte.

H. Becker erzählte von der alten Dame, die quasi der Ausgangspunkt für die Anthologie „Zeit zu reden“ war: die 1926 in Gemünden geborene Ännie Glimmerveen. Schon beim ersten Treffen mit ihr im Jahr 2015 war er so fasziniert von ihrer Erscheinung, ihrer Sprachgewalt, ihrer optimistischen Sichtweise, und animiert, mehr über sie zu erfahren und ihr Leben aufzuschreiben. Und in diesem Leben von Ä. Glimmerveen, in dem vier Männer eine große Rolle spielten, sind so viel zeit- und hunsrücktypische Vorgänge, Denk- und Verhaltensweisen, die nicht immer die Schlechtesten waren, verankert.

Als Zugabe gewissermaßen las H. Becker noch seine spannungsgeladene Geschichte aus der Anthologie „Zappenduster“, (Rhein-Mosel-Verlag), die den „Tod eines gottesfürchtigen Mannes“ in den 90er Jahren Jahren in Holzbach aus der Sicht des Mörders beschreibt.

Einen tiefen Eindruck hinterließ auch Eckhard Braun (Alterkülz) mit seinen musikalischen Beiträgen (Eigenkompositionen)  per Flöte und Akkordeon und mit eigenen Gedichten, die sich inhaltlich dem Rahmen der Lesung anpassten und dem Publikum mittels Einsatz von Lichtwechsel und Stimmennachklang das Gehörte intensiv nachvollziehen ließ.

Mit viel Applaus wurden die Autoren und der Lyrik-Musiker bedacht und die anschließenden Gespräche belegten nicht nur das gute Gelingen dieser Lesung sondern auch das Berührtsein der Anwesenden von den vorgestellten Schicksalen und das Nach-Denken über das eigene Leben.

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Fotograf: Bernd Dochnahl

Personen von links: Josef Peil, Helga Andrae, Eckhard Braun, Presbyterin Dr. Ulrike Alpers, Hubertus Becker