Das “ KONTAKT-KIND “

 

Im Alter von 10 Jahren begann meine “Karriere“ als Botschafterin zwischen zweierlei Welten, zwischen Ost- und Westdeutschland.

Es war abenteuerlich, wie unter damaligen Bedingungen innerdeutscher Kontakt gehalten und gepflegt wurde.

In den großen Ferien wurde ich alleine mit der Eisenbahn von Frankfurt am Main zu meiner Großmutter nach Eisenach geschickt.

 

Auf diese Weise sammelte ich über einige Jahre viele schwerwiegende Erfahrungen, gute und schlechte.

Als Kind beobachtete ich unbewusst, hörte zu, nahm auf und speicherte, wurde gefragt und gab Antwort.

Nicht verstehend, staunend, still stand ich immer wieder zwischen den Fronten.

 

In vielen Familien, so auch in unserer, waren diese Grenzen unüberwindbare Mauern und Gräben, Nährboden für leidvolle Geschichten.

Und es erschreckt mich, wieviel Zeit vergehen muss, wie viele Generationen es braucht,

um diese schwerwiegenden Verletzungen der deutschen Teilung zu heilen.

Einerseits

wird mir schwindelig bei der Erinnerung an die damaligen Lebensumstände.

Andererseits

waren diese Umstände, das weiß ich heute, für mich von wesentlicher Bedeutung.

Das Thema “Diesseits und jenseits der Grenzen“ lebt in mir weiter.

Die innerdeutsche Geschichte ist in mir verwurzelt und begleitet mich stets und in jeder Hinsicht.

Die Einheit scheint vollzogen,

die damit verbundenen Gefühle aber humpeln immer mal wieder.