Mittelrheinische Heimat

 

Und es schweigen

die Felsen da all

still fließt der Rhein

die Reben binden sich

eng an den Pfahl

die Wellen schlagen

ans Ufer gleichmäßig

verhalten und leis

auf den Höhen

wo früher die Galgen

krächzen die Raben

am Strom die Möwen

da schreien, still

rudert Heine gegen

die Strömung, Fische

zu fangen aus

der Tiefe des Worts

*

Heimat was 

ist das

wenn sie

matt da

ganz ist

Heimatt

o nein

schreib sie

mit einem t nur

wie Tod

*

Der Tod

er gehört

zur Heimat

da zu

was vergangen

ist vergangen

noch nicht

keine Erstickung und Leere

in der Luft noch ein Atem

von dem was hier

geliebt und gelebt

alles Erbe

setzt voraus da

den Tod

du entscheidest

ob Schatten

oder Gespenster

oder das Leben

ganz erfüllt

im Augenblick

der das Gestern, die Zukunft

mit da einhüllt

*

Die Loreley

hat ihr Haar

abgeschnitten

jetzt fliegen

die Locken

wie Distelsamen

über die Wellen

es rudert

der Schiffer umsonst

kahlköpfig schaut

die Nixe

in den Spiegel

nackt wie der Fels

da ihr Haupt

kämmt all

die Läuse der Kriege

die Schändung der Frauen

egal wo auch immer

kämmt all

das abgeschnittene Haar

da hinweg

*

Ich habe

meine Widersacher

vergessen

die da riefen

Brunnenvergifter

Nestbeschmutzer

und mehr

ich habe

meine Widersacher

vergessen

vielleicht

rufen sie

da noch immer

doch ohne ein Echo

in mir

*

Ich liebe die Heimat

die Berge, wo der Mond

drüber rollt, wirft sein Licht

tief da ins Tal, die Tage

wo die Sonne hell

auf dem Schiefer da glänzt

die Burgen, Ruinen

die stillen Kapellen da all

die Mauern die ziehen sich

rund um die Stadt

hoch auf den Berg

die Ufer voll Kiesel und Sand

die Inseln die schweigen

still da im Strom, die

Weiden die flüstern im Wind

die Pappeln, die stehen

nah da am Uferrand

hoch wie die Türme, die

engen Gassen, Fachwerk

und Lehm, Portale aus

Sandstein, Gebälk grob da

gehauen, geschnitzt, Pflaster,

gelegt und gewäckelt, jeder

Stein der da dumpf hallt

wenn der Schritt über ihn tritt

Kirchen so alt, düster dar drin

geborgen in Gewölben Fresken im

Dämmer des Lichts, im Schein der Kerzen

hoch von außen da sichtbar

Zwerggalerien umkränzen den Chor

ich liebe die Heimat, die

Menschen, die zugegen da sind,

verbringen ihr Leben, wissen, wie

Arbeit und Leben, Liebe und Wein

ein Atem da sind

die Heimat, ich benutze bewußt

das Wort, der ich genug ihre

Schatten auch aufgedeckt,

die Heimat sie zieht durch

meine Träume hindurch

und bindet das Grün der Reben

mir tief in den Schlaf

 

 

24.5.2017

Friedrich G. P