Allgemeine Zeitug vom 27. September 2016:

 

Acht Autoren nehmen bei der Lesung im Bacharacher Haus Sickingen die Gäste mit auf ihre ganz eigene Reise 

 

BACHARACH - (red). Da staunte das Haus Sickingen in Bacharach: So viele Gäste hatte es seit seiner Erbauung im Jahre 1420 selten in der „Guten Stube“ beherbergt. Der Platz reichte kaum für die, die gekommen waren, um den acht Autoren zu lauschen, umrahmt von Rheinmelodien auf der Gitarre (Jürgen Zimmer) und auf der Querflöte (Christine Zimmer).

Nachdem Hausherr Jean-Marc Petit die Gäste begrüßt hatte, befand man sich mittendrin in Geschichten, Gedichten und Geschichte: „Auf dem Weg zum Rhein“ stellte der Korbmacher Johannes Pies im Jahre 1803 einige Überlegungen an, was ihn da unten am Rhein in Bacharach wohl erwartete. Der Text von Leona Riemann beschreibt die junge Wirtin einer Weinwirtschaft, die auf ihre Art die familiären Schwierigkeiten und die Wirrnisse der „Franzosenzeit“ in den Griff bekam. Verschmitzt-hintergründig die Mundartgedichte der Gisela Kassel, die auf ihre Art das „Rasseweib Loreley“ würdigte und sich Gedanken über „Die ebsch Seit“ machte; „Ansichtssache“, wie so vieles. Wie man eine zugezogene „Dame“ herumkriegt, einen großzügigen Scheck für die Belange einer kleinen Gemeinde auszustellen, verriet Margret Drees in ihrer Geschichte „Die Dame aus dem alten Forsthaus“. Nachdenklicher Ernst wurde den Zuhörern von Elke Leonhardt-Schenk abverlangt: Sie ließ anlässlich der Hochzeit einer jungen Braut mit ihrem Bräutigam „Farouk“ die Großmutter-Generation in einem fiktiven Brief an die Enkelin aufleben: Wie war das doch gleich gewesen, 1938, als die Großmutter als junge Frau ins Leben starten wollte?

Für lyrisch-heitere Besinnlichkeit sorgte Johannes Aufgebauer mit ein wenig Vollmond über dem Rhein, den man dann doch lieber im Bett an sich vorbei ziehen lässt, und der berechtigten Frage, warum vor „Goar“ ein „S“ und ein „t“ steht, vor Oberwesel und Bacharach aber nicht. Auch Helga Andrae trug Lyrisches vor: „Schnappschuss vom Rinden-Linden-Leben“ lautete der Titel einer skurrilen Liebesgeschichte von Gestalten, wie sie sich aus der Rinde eines alten Baumes herausbilden.

Einen fulminanten Abschluss des Abends lieferte Hilarion Hartmann, indem er „Neues vom Rhein“ zum Besten gab, darunter auc h die seltsamen Ereignisse, die man „Um Mitternacht in Bacharach“ erleben kann.

 

NEUE BINGER ZEITUNG

05.09.2016 Kultur

 

 

Autoren lasen mit schreibenden Gästen aus dem Hunsrück

Unter dem Titel „Rhein-Hunsrück-Impressionen“ lasen Autoren der Lesebühne Bacharach zusammen mit schreibenden Gästen aus dem Hunsrück. Die bereits um 15 Uhr beginnende Veranstaltung in der Kulturwerkstatt „Treff zum Hein“ war zur Freude der Veranstaltenden sehr gut besucht. In zwei munter genre-gemischten Blöcken zu je gut 45 Minuten wurden von den Autoren Margret Drees, Leona Riemann, Gisela Kassel, Helga Andrae, Elke Leonhard-Schenk, Hilarion Hartmann, Johannes Aufgebauer und Hubertus Becker lyrische sowie prosaische Kurztexte vorgetragen, die sich – sehr unterschiedlich – der Gegend des Mittelrheins widmeten. Mal boten die Lesenden humoristisch Mundartliches im Rhein-Hunsrück-Idiom (M.Drees, G.Kassel), oder aber (wie H.Andrae und H.Hartmann) in einer ironischen Loreley-Adaption auf Sächsisch. Ganz ohne Frage erzeugten derartige, überaus gekonnt dialektal vorgetragene, Sottisen (ähnlich auch H.Hartmanns neo-dadaistisches Hunsrücker Tierleben, zu dem er sich selbst an der Gitarre begleitete) allerlei Gelächter. Zumal die wunderschöne Baritonstimme Heinz Vogels (von Jürgen Zimmer kongenial mit klassischer Gitarre untermalt), der während seiner die Lesung passend umrahmenden Gesangsdarbietung von Liedern, die vorab vom Weingenuss handelten, aufmunternd ein Glas Riesling schwang, das Publikum eher lustig weinselig stimmte. Man durfte also durchaus besorgt sein, die klug-tiefgründige Poesie E. Leonhard-Schenks und J. Aufgebauers, nicht zuletzt die anspielungsreiche autobiographische Prosa H.Beckers, respektive die historisch verfahrende Gesellschaftsanalyse L.Riemanns könne eventuell Spannung und Aufmerksamkeit des Publikums nicht halten. Das Gegenteil war der Fall: die Texte, mal beispielsweise das romantische Motiv der Flüchtigkeit der Zeit behandelnd (Leonhard-Schenk), mal das vermittels der neuen Flüchtlingsproblematik gesellschaftlich aktualisierte Problem der mittelalterlichen Judenpogrome (J. Aufgebauer), erzeugten gebannte Stille und wurden mit sehr viel Beifall bedacht. Zugleich zerstreuten sich ob dieser vorab geneigten Aufnahme mitunter schwierigerer Texte durch das Publikum etwaige Bedenken und Zögerlichkeiten seitens der veranstaltenden Künstler, das Programm könne aus zu disparaten Teilen bestehen. Am Ende bekundete das Publikum vielmehr gerade Zustimmung gegenüber der auflockernden Struktur der Mischung. Man darf also durchaus auf die nächste Veranstaltung der Bacharacher Lesebühne am 24. September um 19 Uhr im Bacharacher Haus Sickingen gespannt sein!